MARTIN SCHEPERS Wünschenswert Ist Eine Scharfe Abgrenzung Zwischen Diskordanz Und Sedimentationslücken October 2011

MARTIN SCHEPERS Wünschenswert Ist Eine Scharfe Abgrenzung Zwischen Diskordanz Und Sedimentationslücken
Friday 21 October 2011 – Sunday 30 October 2011

ERÖFFNUNG Freitag 21. Oktober 

19 Uhr 

Pressetext von Philipp Hauß  

Noch vor ein paar Jahren wäre ich versucht gewesen, die Werke von Martin Schepers mit Gefühlen, Gedanken und Stimmungen in Verbindung zu bringen, hätte wahrscheinlich von beharrlichem Anachronismus gesprochen. Durch die geologischen Bilder und Zeichnungen der letzten Monate und jetzt durch die Installation, habe ich verstanden, dass es darum bei Martin Schepers gar nicht geht. All’ diese romantischen Themen, die ich früher gefunden hatte, stehen gar nicht im Vordergrund, sind Ingredienzien und Unterhaltsamkeiten, die den Kampf im Atelier nur anheizen, niemals aber abgebildet werden. Denn Martin Schepers ist nicht der Protagonist seiner Bilder, sondern hält sich am Rand, in einer Beobachterposition zurück, wissbegierig nicht der eigenen Bestätigung harrend, sondern darauf, was sich aus den Expeditionen mit der Kamera, aus den Schullehrbüchern und den Bibliotheken beim Machen wieder zusammensetzen lässt. Es ist ein forschender Blick, nicht mit naturwissenschaftlicher Kategorisierungswut, eher mit infantilem Auseinandernehmen-Wollen, Ergründen-Wollen, Herumspielen-Wollen. 

Ein seltsamer Dialog zwischen einer Landschaft, in der Martin Schepers aufgewachsen ist und deren einziges großes Industriewerk tagtäglich den Blick aus dem Fenster auffing , und einem Menschen, der in Berlin 2011 in seinem Atelier sitzt, bezeichnenderweise einer ehemaligen Kindertagesstätte, also auch einer Ablagerung, und den Versuch unternimmt zu rekonstruieren. Er arbeitet sich an dieser Landschaft nicht ab wie an einem Kindheitstrauma, da muss nichts überwunden werden, für ihn ist in diesem banalen, alltäglichem und gleichzeitig konkreten und überwältigendem Zementwerk eine Außerordentlichkeit versteckt, die sich nicht auf Anhieb fassen lässt, die er versucht zu modellieren, wahrlich modellhaft, weil sich das, was benannt werden soll, immer der fertigen Ausformulierung entzieht. 

Die Suche zielt nicht darauf herauszufinden, wie ein/sein„ich“ darin vorkommt, sondern ob das „ich“ darin auch ja nicht vorkommt. Der Künstler in der Rolle des Kronzeugen,  der vom Ereignis berichten will. Schepers hat einmal im Traum das „Ungewollt Utopische“ gesucht. Vielleicht ist es Schönheit, die vorkommt, ohne das jemand diese geplant hätte, ohne dass überhaupt jemand hätte voraussehen können, was sich eines Tages als schön entpuppt, aller Gestaltungsmacht entzogen: „Wie sieht die Welt wohl ohne mich aus? Wie sah die Welt ohne mich aus? Was habe ich von der Welt gesehen, dass größer ist als ich? Mehr weiß als ich, stärker ist als ich, mich gar nicht braucht?“