MARION ORFILA January 2012


MARION ORFILA
Friday 20 January 2012 – Friday 27 January 2012

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BezugsEbenen ist die erste Einzelausstellung von Marion Orfila in Berlin. Die 1984 in Toulouse geborene Künstlerin konzipierte BezugsEbenen spezifisch für das Tät – im Dialog mit der räumlichen Situation der Galerie. Und dieser begann einige Jahre zuvor: Als Orfila vor vier Jahren zum ersten Mal das Tät besuchte, war sie beeindruckt von der Höhe des Ortes und den noch deutlich sichtbaren Spuren der entfernten Zwischendecke. Die Künstlerin erlebte den Raum in Bewegung – Die Veränderung der Höhe suggerierte die Erhöhung des gesamten Obergeschosses. Ausgehend von dieser speziellen Raumerfahrung, – dem Erleben von Höhe und seiner Auswirkung auf das Raumempfinden – ist eine Ausstellung entstanden, die unseren Blick auf die Vertikalen lenkt, in seine unbespielten und fiktiven Höhen.Der sich verändernde Raum oder das sich verändernde Raumempfinden, – Marion Orfila eröffnet uns eine Vielzahl von Fragen, die zwischen Poesie, Wissenschaft und Alltag oszillieren. Sie konfrontiert uns mit unserer alltäglichen, eingeschränkten Wahrnehmungsweise entlang funktionellen Denken und Handelns und einer tatsächlichen unfassbaren Komplexität. Exemplarisch führt sie uns dies in BezugsEbenen am Beispiel der Höhe vor Augen. Tagtäglich nehmen wir die Höhen in Relation zum Boden unbewusst wahr. Jede Messung verlangt einen Bezugspunkt. Um die Position des Bodens zu definieren und allgemeingültige (absolute) Werte zu erhalten, bezieht man sich auf den Meeresspiegel, der der Durchschnittshöhe des Meeres entspricht. 
Berlin befindet sich durchschnittlich 35 Meter und das Tät zwischen 50 und 60 Metern über dem Meeresspiegel. Erstaunlich ist, dass man als Anhaltspunkt, um den Raum in seiner Höhe zu messen, ein Element nutzt, das in ständiger Bewegung ist und keine deutliche Form oder Festigkeit hat. Die Meere haben weltweit unterschiedliche  Höhen; – die Ebene Null (Normalnull) des Meeresspiegels wird  ermittelt als Durchschnittswert aus den verschiedenen Ebenen unterschiedlicher Meere unter Berücksichtigung der Schwerkraft sowie Unterschieden des Drucks, der Temperatur, des Salzgehaltes und der Meeresströmungen… Orfila bietet uns in ihrer Ausstellung, – inspiriert von den Zusammenhängen zwischen dem Meeresspiegel und der Positionierung im Raum mehrere Ebenen an: Die Skulptur »L’Echaise« (Leiter-Stuhl), deren Sitz sich 2,30 Meter in der Höhe befindet, erlaubt uns, eine normalerweise unerreichbare und vakante Schicht des Raumes zu beziehen, und lenkt unsere Aufmerksamkeit auf die Höhe des Ortes, den Raum unterhalb der Decke.Die Installation in situ »Batardeau«: eine Spundwand, die den Raum teilt und den Durchgang versperrt. Das uns vertraute Leitsystem wird unterbrochen. Um die Ausstellung weiter zu verfolgen, muss ein zweiter Eingang gefunden werden. Die temporäre Konstruktion wird genutzt, um eine Partie eines Flusses trockenzulegen. Diese Installation lädt dazu ein, uns den Raum in einem neuen Zustand auszumalen: zwei Meter unter dem Meeresspiegel, ein Ort vorübergehend zugänglich und in der Regel unter Wasser. Durch die Lichtreflexe des Wassers an der Decke können wir uns den Druck und die Dichte hinter dieser verrosteten Metallwand vorstellen. Zum Schluss, das Video »Fischtreppe«: Dort folgt die Kamera einem Anstieg durch einen künstlichen Wasserlauf nach oben gegen den Strom auf verschiedenen, nebeneinander liegenden Wasserebenen konstruiert für Fische, die so schwimmend eine Anhöhe überwinden können.Steigerung bzw. Erhöhung und Neubestimmung von Eigenschaften des Bodens, des (Unter-) Grundes, bilden nicht nur in der Ausstellung Bezugs Ebenen das Thema, sie sind ein sich wiederholendes Motiv in der Arbeit von Marion Orfila. Die Flächen in Orfilas Installationen sind wie Böden definiert – sie können durchschritten werden und als »Räume zum Leben« neu bestimmt werden. Einige von Orfilas früheren Arbeiten beschreiben »vertikale Böden«, miniaturisierte Räume, in Schichten übereinanderliegende Ebenen. Die Beschaffenheit dieser Ebenen/Schichten ist derart gestaltet, dass diese beim Beschreiten nachgeben. So z.B. in der Arbeit »Horizons Stratifiés« (»geschichtete Horizonte«), welche aus voneinander abhängigen und gleichzeitig heterogenen Böden besteht.Orfila erschüttert mit leisen Tönen unser Selbstverständnis von den uns umgebenden Dingen. Sie lädt uns ein, den Raum als etwas anderes zu verstehen, bzw. ihn körperlich zu empfinden (z.B. als ein sich stetig transformierender, relativer Organismus). In BezugsEbenen haben wir die Möglichkeit, uns auf einen Raum einzulassen, der von der Variable der Höhe, – den Vertikalen – geprägt wurde und in dem wir die Möglichkeit haben, unsere Positionierung neu zu definieren.